Der Deutsche liebt den Wald. Allerdings nicht vor seiner Haustür.
Denn: Bäume machen Dreck
Der Sommer ist vorbei, das Laub fällt - und damit das
Todesurteil über so manchen "Großbaum".
Schatten
wirft er, Arbeit macht er, Blätter und Früchte "verun
reinigen" Wege und Automobile. Je älter, umfangreicher
und höher, desto größer die Gefahr, ein Opfer der
Kettensäge zu werden. Ansteckend wirkt der Kahlschlag: Holzt der
erste bei sich aus, so ermuntert das
den Nachbarn, auch gründlich aufzuräumen. Straßenzug um
Straßenzug wird ausgelichtet, nachgepflanzt
dagegen selten oder spärlich.
Während früher der Hausbaum als Schutz und
Schmuck in Ehren stand, scheint heute alles zu stören,
was über die Dachrinne oder gar den Dachfirst hinauswächst.
Der Trend geht zum —Kleinbaumii.
Langsamwüchsig und schnittverträglich befriedigt er
die Sehnsucht nach dekorativem Grün, ohne zu unkontrolliertem
Wildwuchs zu neigen. Die exotische
Thuja, noch bis vor kurzem als reine Friedhofspflanze
beschrieben, hat einen wahren Siegeszug angetreten:
sauber in ökologisch fragwürdige Torfbeete gesetzt,
reihen sich plastikgrüne Koniferen-Zwerge gleichförmig aneinander
und grenzen die eigene gepflegte
Rasenfläche mit geringstem Platzaufwand gegen die
benachbarte ab. Europa-Einheitsgrün, das im Gartencenter im
Sechserpack erstanden werden kann. Vielleicht erklärt die
Beengtheit der Wohnanlagen den Erfolg Bonsai-artiger
Gewächse: Miniaturtulpen, Hochstämmchen, hüfthohe Obstbäumchen, die sich bequem
abernten lassen. Die Natur findet hier keinen Raum
mehr, kein Tier Deckung und Futter. Die Gartenlandschaft
verarmt. Alle Vorteile, die ein stattlicher
Baum, eine dichte Hecke aus heimischen Gehölzen
bietet, fehlen.
Je größer die Blattoberfläche, desto effektiver die
Sauerstoffproduktion, Befeuchtung und Abkühlung
der Luft, der Schutz vor Lärm, Sonne,Wind, Staub und
Abgasen; desto stabiler der Grundwasserspiegel und
die Grundlage für vielfältiges Leben. Neben den großen
Maßnahmen zum Klimaschutz wie Energieeinsparung und
Eindämmung von Emissionen zählt auch
der einfache Einsatz eines jeden im eigenen Umfeld.
Aufklärung tut Not. Zusammenhänge sind unklar.
Weniger (Aufwand) bedeutet oft mehr: Sträucher müssen nicht
jedes Jahr bis zur Unkenntlichkeit beschnitten werden.
Durch Liegenlassen des Herbstlaubs auf
Staudenbeeten erübrigt sich der Kauf von Material zum
Abdecken, durch vorherige Beratung die Anlage von
ungeeigneter Bepflanzung, die nach wenigen Jahren
wiederum kostspielig entfernt wird. Zugeteerte, versiegelte
Flächen und Wege leiten das Regenwasser
ungenutzt in die Kanalisation. Monokulturen begünstigen
Schädlingsbefall, der wiederum zum Einsatz von
Chemie führt. Eigener Kompost verringert die Abfallgebühren
und spart Dünger und Torf. Wo Beerensträucher wachsen, braucht es weniger Meisenknödel.
... Oft wirken sich Gedankenlosigkeit und übertriebene Ordnungsliebe schädlich aus.
Es fragt sich, warum auf Baustellen als erstes eingewachsenes
Grün dem Erdboden gleichgemacht werden muss. Die lange Weißdornhecke an der Schongauer
Pfarrwiese, Altenstadter Straße, hätte den zukünftigen
Bewohnern der dort im Bau befindlichen Reihenhäuser
als Sicht- und Lärmschutz sehr nützlich sein können.
Nun wird Ersatz gepflanzt werden müssen - Thujen?
Die hohe, bildschöne Fichte am "alten Bauhof", Altenstadter
Straße/Birkenweg wurde "vorsorglich" gefällt
- sie hätte geplante Bauarbeiten stören können.
Die imposante Rotbuche am Pfarrheim fiel, anstatt in
die Neugestaltung des Baus miteinbezogen zu werden.
Die Buchen in den Vorgärten der Wilhelm-Köhler-Straße
wurden zu Stümpfen amputiert, die an Zoo-Kletterbäume erinnern.
Die Liste zeigt nur Beispiele innerhalb eines eng begrenzten
Gebietes und Zeitraumes. Sie ist unvollständig und ließe sich lang fortsetzen.
Schongau besitzt keine Baumschutzverordnung.
Das kann man als rückständig bezeichnen. Auch wenn
alles noch "so schön grün" aussieht - die "Verwüstung" vollzieht sich schleichend.
Haben Sie ein Auge für die Idylle. Üppiges Grün ist
keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung. Es
schmückt Häuser, Mauern, Straßenränder, es dämpft
und beruhigt. Alte Bäume verdienen unseren Respekt.
Es liegt an jedem einzelnen.
Machen Sie aus Ihrer Umgebung keinen Friedhof.
Bettina Buresch
Alternative Liste Schongau
Joseph-Haydn-Straße 97
86956 Schongau Tel.: 93918
V.i.S.d.P.: Uschi Ritter