Flugblatt

Nr. 31 – Dezember 2000

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Der Deutsche liebt den Wald. Allerdings nicht vor seiner Haustür. Denn: Bäume machen Dreck

Der Sommer ist vorbei, das Laub fällt - und damit das Todesurteil über so manchen "Großbaum".
Schatten wirft er, Arbeit macht er, Blätter und Früchte "verun reinigen" Wege und Automobile. Je älter, umfangreicher und höher, desto größer die Gefahr, ein Opfer der Kettensäge zu werden. Ansteckend wirkt der Kahlschlag: Holzt der erste bei sich aus, so ermuntert das den Nachbarn, auch gründlich aufzuräumen. Straßenzug um Straßenzug wird ausgelichtet, nachgepflanzt dagegen selten oder spärlich.
Während früher der Hausbaum als Schutz und Schmuck in Ehren stand, scheint heute alles zu stören, was über die Dachrinne oder gar den Dachfirst hinauswächst. Der Trend geht zum —Kleinbaumii.
Langsamwüchsig und schnittverträglich befriedigt er die Sehnsucht nach dekorativem Grün, ohne zu unkontrolliertem Wildwuchs zu neigen. Die exotische Thuja, noch bis vor kurzem als reine Friedhofspflanze beschrieben, hat einen wahren Siegeszug angetreten: sauber in ökologisch fragwürdige Torfbeete gesetzt, reihen sich plastikgrüne Koniferen-Zwerge gleichförmig aneinander und grenzen die eigene gepflegte Rasenfläche mit geringstem Platzaufwand gegen die benachbarte ab. Europa-Einheitsgrün, das im Gartencenter im Sechserpack erstanden werden kann. Vielleicht erklärt die Beengtheit der Wohnanlagen den Erfolg Bonsai-artiger Gewächse: Miniaturtulpen, Hochstämmchen, hüfthohe Obstbäumchen, die sich bequem abernten lassen. Die Natur findet hier keinen Raum mehr, kein Tier Deckung und Futter. Die Gartenlandschaft verarmt. Alle Vorteile, die ein stattlicher Baum, eine dichte Hecke aus heimischen Gehölzen bietet, fehlen.
Je größer die Blattoberfläche, desto effektiver die Sauerstoffproduktion, Befeuchtung und Abkühlung der Luft, der Schutz vor Lärm, Sonne,Wind, Staub und Abgasen; desto stabiler der Grundwasserspiegel und die Grundlage für vielfältiges Leben. Neben den großen Maßnahmen zum Klimaschutz wie Energieeinsparung und Eindämmung von Emissionen zählt auch der einfache Einsatz eines jeden im eigenen Umfeld. Aufklärung tut Not. Zusammenhänge sind unklar. Weniger (Aufwand) bedeutet oft mehr: Sträucher müssen nicht jedes Jahr bis zur Unkenntlichkeit beschnitten werden.
Durch Liegenlassen des Herbstlaubs auf Staudenbeeten erübrigt sich der Kauf von Material zum Abdecken, durch vorherige Beratung die Anlage von ungeeigneter Bepflanzung, die nach wenigen Jahren wiederum kostspielig entfernt wird. Zugeteerte, versiegelte Flächen und Wege leiten das Regenwasser ungenutzt in die Kanalisation. Monokulturen begünstigen Schädlingsbefall, der wiederum zum Einsatz von Chemie führt. Eigener Kompost verringert die Abfallgebühren und spart Dünger und Torf. Wo Beerensträucher wachsen, braucht es weniger Meisenknödel. ... Oft wirken sich Gedankenlosigkeit und übertriebene Ordnungsliebe schädlich aus.
Es fragt sich, warum auf Baustellen als erstes eingewachsenes Grün dem Erdboden gleichgemacht werden muss. Die lange Weißdornhecke an der Schongauer Pfarrwiese, Altenstadter Straße, hätte den zukünftigen Bewohnern der dort im Bau befindlichen Reihenhäuser als Sicht- und Lärmschutz sehr nützlich sein können.
Nun wird Ersatz gepflanzt werden müssen - Thujen?
Die hohe, bildschöne Fichte am "alten Bauhof", Altenstadter Straße/Birkenweg wurde "vorsorglich" gefällt - sie hätte geplante Bauarbeiten stören können.

Die imposante Rotbuche am Pfarrheim fiel, anstatt in die Neugestaltung des Baus miteinbezogen zu werden.

Die Buchen in den Vorgärten der Wilhelm-Köhler-Straße wurden zu Stümpfen amputiert, die an Zoo-Kletterbäume erinnern.

Die Liste zeigt nur Beispiele innerhalb eines eng begrenzten Gebietes und Zeitraumes. Sie ist unvollständig und ließe sich lang fortsetzen. Schongau besitzt keine Baumschutzverordnung.

Das kann man als rückständig bezeichnen. Auch wenn alles noch "so schön grün" aussieht - die "Verwüstung" vollzieht sich schleichend.

Haben Sie ein Auge für die Idylle. Üppiges Grün ist keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung. Es schmückt Häuser, Mauern, Straßenränder, es dämpft und beruhigt. Alte Bäume verdienen unseren Respekt.
Es liegt an jedem einzelnen.

Machen Sie aus Ihrer Umgebung keinen Friedhof.
Bettina Buresch


Alternative Liste Schongau
Joseph-Haydn-Straße 97
86956 Schongau Tel.: 93918
V.i.S.d.P.: Uschi Ritter

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